Nun sind sie da. Die lang erwarteten Ergebnisse der Studie „Pluralität in Wiener Kindergärten und Kindergruppen unter besonderer Berücksichtigung von sogenannten islamischen Einrichtungen“.

Diese Studienergebnisse waren für uns als Stadt Wien von großer Bedeutung, weil sie erstmalig einen wissenschaftlich fundierten Einblick in die Situation geben und es so ermöglichen die Herausforderungen faktenbasiert angehen zu können. Fernab von populistischer Inszenierung und Wahlkampfgetöse. Soweit der Plan:

Leider mussten wir jetzt aber feststellen, dass das präsentierte Endprodukt der ForscherInnen nicht wie vertraglich vereinbart eine gemeinsame Studie ist. Prof. Aslan, der im Auftrag vom damaligen Außenminister Sebastian Kurz, ja bereits eine wissenschaftlich fragwürdige Vorstudie produziert hat, hat es vorgezogen eine eigene Arbeit zu veröffentlichen. Das ist insofern besonders seltsam, da sich die beiden Arbeiten im Zugang zu den Forschungsfragen unterscheiden – eine gemeinsame Conclusio der WissenschafterInnen gibt es also leider nicht.

Ich möchte an dieser Stelle nicht lange auf die Arbeit von Ednan Aslan eingehen, weil wir in der Debatte insgesamt sonst nicht weiterkommen. Nur drei kurze Bemerkungen:

  1. Ednan Aslan weißt in dem Vorwort seiner Studie auf folgendes hin: „(Die Art und Weise des Verlaufs der Debatte) dürfte einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit islamischer Kindergärten kaum dienlich sein, gleichwohl ist er zwangsläufige(sic!) Resultat des Umstands, dass diese Debatten jeweils aus interessengeleiteten Perspektiven geführt werden.“ Mit diesem Attest hat Aslan zweifelsohne Recht. Jedoch sind seine Handlungen ganz eindeutig ein Teil bzw. sogar der Auslöser dieses Problem. Inwiefern habe ich hier und hier bereits ausführlich argumentiert.
  2. Wie schon bei der Vorstudie hat auch diesmal die Sozialwissenschafterin Andrea Schaffar die Wissenschaftlichkeit Aslans Arbeit unter die Lupe genommen und attestiert ihr abermals ein nicht genügend.
  3. Andrea Schaffar schließt mit der Frage cui bono? – wer also profitiert von den Behauptungen Aslans? Was dahinter steckt und was die Beweggründe für seine Vorgangsweise sein könnten, argumentiert ein ehemaliger Mitarbeiter Aslans hier.

So, kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Thema und die Herausforderungen, derer wir uns anzunehmen haben:
Wir werden die Studienergebnisse sehr ernst nehmen und auch weiterhin daran arbeiten, die Qualität in den Wiener Kindergärten und Kindergruppen bestmöglich sicherzustellen. Soviel sei gleich zu Beginn festgehalten.
Schauen wir uns die Schlüsse aber im Detail an:

Die Kernfrage, nämlich ob in den Wiener Kindergärten irgendeine Form von islamischer Indoktrinierung stattfindet/stattgefunden hat, kann nicht mit Ja beantwortet werden. Das wurde von schwarz-blau zwar immer wieder behauptet. Belege gibt es dafür aber keine.
Das ist schon mal gut, aber natürlich noch lange nicht genug. Es geht ja um viel mehr als religiöse Indoktrinierung. Es geht auch darum, ob in manchen Wiener Kindergärten und/oder -gruppen Strukturen und Abläufe existieren, die an Parallelgesellschaften erinnern oder sie befeuern. Und es geht darum, ob die inhaltliche, pädagogische Qualität überall auf einem hohen Niveau sichergestellt ist. Auch das ist Aufgabe der Stadt.

Und da zeigen sich ganz deutliche Herausforderungen und auch zusätzlicher Handlungsbedarf.

Ganz zentral dabei ist die Sprachförderung. Die Vermittlung der deutschen Sprache wird zwar sehr wohl als sehr wichtig erachtet, oft fehlen aber die notwendigen Kompetenzen und Ressourcen, um das auch gut umsetzen zu können. Selbiges gilt auch für das Erlernen der eigenen Erstsprache. Nur wer seine/ihre Erstsprache gut beherrscht, wird auch in einer neuen Sprache reüssieren können. Ganz allgemein müssen wir die Mehrsprachigkeit als einen Schatz erkennen, den es mit allen Mitteln zu heben gilt.

Wichtig ist mir bei allen Herausforderungen aber schon auch auf den österreichweiten Vergleich hinzuweisen. Wien schneidet bei der jüngsten Evaluierung der sprachlichen Frühförderung durch den Integrationsfonds im Auftrag des Integrationsministeriums am besten von allen Bundesländern ab. Ganz viel funktioniert in unserer Stadt also bereits gut und besser als überall sonst in Österreich. Soviel nur zu jenen – allen voran unsere neue schwarz-blaue Bundesregierung – die gerne mit dem Finger auf Wien zeigen.
Zufrieden geben wir uns mit dem Status Quo aber freilich nicht.

Wir müssen und werden die Ressourcen in diesem Bereich weiter ausbauen um die PädagogInnen noch besser bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Gleichzeitig werden wir hier aber auch den Bund nicht aus seiner Verantwortung entlassen und sowohl die Implementierung von interkultureller Kompetenz in der PädagogInnenausbildung als auch deutlich mehr Mittel für die Sprachförderung einfordern.

Zur grundsätzlichen Frage wie mit Religion im Kindergarten umzugehen ist, muss festgehalten werden, dass Religion eine Rolle in den Kindergärten spielt und auch spielen darf. Das ist verfassungsrechtlich klargestellt und im Wiener Bildungsplan festgehalten. Die Kommune hat aber dafür zu sorgen, dass ihre Kinder im öffentlichen und von der Allgemeinheit geförderten Bereich vor einer Indoktrinierung geschützt werden.

Ein gutes Zeichen ist es, dass die bereits gesetzten Schritte, nämlich die Verstärkung der Kontrollen, die neuen Regelungen im Wiener Kindergartengesetz und der Leitfaden Ethik im Kindergarten. Vom Umgang mit Religionen, Weltanschauung und Werten von den WissenschafterInnen positiv bewertet werden.

Darauf müssen wir aufbauen und auch den nächsten Schritt setzen. Nach Vorbild der Konzepte der St. Nikolausstiftung werden wir mit allen Religionsgemeinschaften in Kontakt treten, damit religionspädagogische Rahmenpläne für alle Religionen entwickelt werden. Mit der oben erwähnten Änderung des Kindergartengesetzes sind die BetreiberInnen nun auch verpflichtet ihre pädagogischen Konzepte den Eltern gegenüber transparent zu machen. Für die Eltern soll deutlich gemacht werden, ob und in welcher Form in ihren Kindergärten und -gruppen Religion eine Rolle spielt. Die Grundlage dafür ist der Wiener Bildungsplan, der einen spielerischen Umgang mit Religion vorsieht. Der bereits genannte Leitfaden der Stadt Wien stellt sozusagen die zulässige Obergrenze von Religion in den Kindergärten und Kindergruppen dar.

Abschließend möchte ich festhalten, dass es wirklich wichtig ist nun endlich valide Kenntnisse über die Problemlage zu haben. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten unaufgeregt und sachlich an die Ergebnisse herangehen. Gemeinsam mit ExpertInnen werden wir weitere konkrete Maßnahmen in die oben ausgeführte Richtung erarbeiten und umsetzen. Unser Ziel ist es PädagogInnen die Ressourcen und Rahmenbedingungen zu bieten, um eine qualitativ hochwertige Bildung und Betreuung in den elementarpädagogischen Einrichtungen der Stadt Wien für alle Kinder sicherzustellen. Sollten weitere schwarze Schafe bestehen, die sich nicht an die Regeln halten, werden sie die Kontrolleinrichtungen der Stadt finden und es werden Konsequenzen gezogen. Darauf können sich die Wienerinnen und Wiener verlassen.

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