Herzensanliegen

Mein Herzensanliegen als Gemeinderat ist, dass alle Kinder und Jugendlichen in unserer Stadt sicher und geborgen aufwachsen können. Das aber gelingt nur, wenn sie alle die bestmögliche Bildung und Betreuung erhalten. Besonders bei Care Leavern – also den jährlich ca. 270 jungen Wienerinnen und Wienern, die in Einrichtungen der Wiener Kinder- und Jugendhilfe aufgewachsen sind und mit ihrem 18. Geburtstag in die Selbstständigkeit entlassen wurden – gibt es aber noch viel zu tun.

Denn diese jungen Menschen haben meist keinen einfachen Lebensweg hinter sich. In aller Regel haben sie durch die Erlebnisse in ihren Familien ein schweres Trauma erlebt, nicht selten sind psychische Erkrankungen die Folge. Ihre Erlebnisse können dabei von Verwahrlosung über Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch reichen und sorgen meist sowohl für einen Abbruch jeglicher Beziehungen zu ihrer Herkunftsfamilie als auch zu einem besonderen Betreuungsbedarf. Erst durch unsere städtischen Wohngemeinschaften bekommen diese jungen Menschen wieder ein sicheres Zuhause und eine professionelle Fürsorge. Dafür bietet unsere Stadt eine Vielzahl von tollen Angeboten mit hervorragenden MitarbeiterInnen. Doch mit dem 18. Geburtstag endet diese Unterstützung für die meisten dieser Jugendlichen, plötzlich müssen sie ihr Leben auf eigene Faust bestreiten, ohne Auffangnetz oder familiäre Hilfe. Im Gegensatz zu Jugendlichen aus intakten Familien haben sie also von einem Tag auf den anderen niemanden mehr, der sie im Alltag unterstützt. Dabei geht es nicht nur um finanzielle oder gar therapeutische Unterstützung, sondern in vielen Fällen schon um einfachen Rat und emotionalen Halt, die in der turbulenten Zeit des Erwachsenwerdens besonders wichtig sind.

Die Folgen sind oft verheerend: Viele Betroffene bleiben ihr Leben lang von staatlicher Unterstützung abhängig oder rutschen gar in die Kriminalität. Straffälligkeit ist bei diesen im Stich gelassenen Jugendlichen laut Studien zehnmal wahrscheinlicher als im Durchschnitt. Um dieser besonders schwierigen Situation zu begegnen, gibt es durch die Stadt Wien bereits jetzt einige Angebote. So haben alle, die von einem Tag auf den anderen selbstständig leben müssen, die Möglichkeit einer Gemeindewohnung und ersparen sich damit vorerst die schwierige Wohnungssuche und hohe Mietpreise am privaten Markt.

Doch das aktuelle Angebot reicht nicht aus, um die zahlreichen Benachteiligungen auszugleichen, denen Care Leaver in jedem Lebensbereich ausgesetzt sind. Ich habe es mir daher zum Ziel gesetzt, das Erwachsenenleben für diese Jugendliche zu verbessern: Gemeinsam mit vielen UnterstützerInnen – mit VertreterInnen der Wiener Kinder- und Jugendhilfe, dem Fonds Soziales Wien, den Psychosozialen Dienst und MitarbeiterInnen von NGOs aus der täglichen Praxis – arbeiten wir an Möglichkeiten für neue Angebote und zusätzliche Unterstützung. Es geht schlicht und einfach darum, dass diese jungen Menschen sich auch nach ihrem 18. Geburtstag darauf verlassen können, dass ihnen unsere Stadt zur Seite steht!