Mein Update für das Bildungssystem!

Jetzt geht’s endlich wieder los: Im Osten hat die Schule eben begonnen, der Westen ist in ein paar Tagen so weit. „Endlich sind die Schulferien vorüber“, werden wohl nicht wenige denken. Denn geben Schulferien auch Zeit für ausgedehnte Familienurlaube, so stellen sie manche Eltern vor schier unlösbare Betreuungsprobleme. Blog_App_BildungWer sieht eigentlich neun Wochen lang den ganzen Tag über nach den lieben Kleinen, wenn der elterliche Urlaubsanspruch bei gerade mal fünf Wochen liegt?

Diese Frage beschreibt nicht nur ein Problem der großen Sommerferien. Sie berührt genauso ein Problem des Schulalltags. Meist ist jeder Elternteil berufstätig und nicht immer sind beide Partner in die Kinderbetreuung eingebunden. Leider beruht unser Schulsystem immer noch auf Anforderungen aus vorindustrieller Zeit. Es geht davon aus, dass ausschließlich Mütter sich der Kinderbetreuung widmen, und so als Nachmittagslehrerinnen zur Verfügung stehen. Dies entspricht unseren heutigen Lebensrealitäten längst nicht mehr. Sei es aus finanziellen Gründen oder einfach aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung. In den allermeisten Familien gehen beide Elternteile einer Arbeit nach.

Die logische Konsequenz daraus ist die schulseitige Verantwortung zur Ganztagsbetreuung – zum Wohle der Kinder und der Zukunft des Landes.

Bildung wird in Österreich nach wie vor vererbt. Je wohlhabender eine Familie, aus der ein Kind stammt, desto erfolgreicher seine Schullaufbahn. Das Modell der Halbtagsschule zementiert diese Art von sozialer Selektion, weil es keine gezielten Fördermaßnahmen am Nachmittag vorsieht und jene den Eltern zuschiebt, welche je nach Vermögenssituation dazu oft nicht in der Lage sind. Ich bin der festen Überzeugung, dass unser Schulsystem für Chancengleichheit zu sorgen und individuelle Benachteiligungen zu kompensieren hat. Förderung und Forderung von Kindern können die Familien in vielen Fällen nicht leisten. Beides soll und muss die Schule daher übernehmen. Eine Ganztagsschule mit verschränktem Unterricht kommt dieser Aufgabe am besten nach. Die meisten europäischen Staaten haben dies erkannt und bieten überwiegend Ganztagsmodelle an. Bezeichnenderweise tun dies auch die meisten Privatschulen in Österreich schon längst, womit die Vorzüge der Ganztagsschule einmal mehr nur den wohlhabenderen Familien zu Gute kommen.

Der Ausbau von Ganztagsschulen – bei dem die Stadt Wien wieder einmal bundesweit die Vorreiterrolle inne hat – ist nicht nur Grundvoraussetzung zur Verbesserung und Modernisierung unseres Schulsystems. Er fördert Chancengleichheit für unsere Kinder und trägt zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei.

Ein Gedanke zu “Mein Update für das Bildungssystem!

  1. Das veraltete Schulsystem ist eine der Säulen des „Elitegedankens“ der ÖVP und auch der FPÖ
    Beide wollen, bzw. glauben, dass es zwei Sorten von Menschen gibt: die wenigen durch adelige Geburt oder aus „Führungsfamilien“ Industriellen, Fabriksbesitzer, etc. stammende und die Masse der von Geburt aus „Dummen“ Leute, die geführt werden wollen und müssen und bei denen zuviel Bildung sinnlos verpulverte Ressourcen bedeutet.
    Tatsächlich zeigt alleine die Notwendigkeit, dass praktisch jede MittelschülerIn Nachhilfe benötigt, dass das Schulsystem eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage aufweist. Wo bleibt hier das „Marktwirtschaftliche Denken“ der ÖVP?
    Der Markt verlangt nach Ganztagesschulen, also sollte der Staat dieser Nachfrage einfach folgen!
    Die Lehrer andererseits wollen das deshalb verhindern, weil sie dadurch das lukrative und steuerfreie weil schwarz durchgeführte Nachhilfegeschäft verlieren würden…

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