Zum Handel mit PatientInnendaten

Kaum dass der „Spiegel“ über „Pillendreher als Datendealer“ in der Bundesrepublik Deutschland berichtet, kommt ans Tageslicht, dass hierzulande Ärzte PatientInnendaten an ein Marktforschungsunternehmen verkauft haben. Was soll man dazu sagen? Das ist einfach ungeheuerlich, ethisch ein Wahnsinn, dem umgehend eine eingehende Überprüfung zu folgen hat.

Personenbezogene Daten sind in Europa gesetzlich geschützt, gesundheitsrelevante Daten ihrer Sensibilität wegen unter besonderem Schutz gestellt. Sie sollen grundsätzlich nur anonymisiert und mit Einwilligung der Betroffenen verarbeitet werden dürfen. Gleichzeitig muss der Staat sicherstellen, dass solche Daten einer besonders strengen Kontrolle unterliegen. Ohne Anonymisierung ist deren Weitergabe an Unternehmen natürlich vehement abzulehnen.

Die strikte Anwendung bestehender Datenschutzgesetze und deren Kontrolle schließen Datenmissbräuche wie in den vorliegenden Fällen zwar aus. Aber offensichtlich bedarf deren Verhinderung künftig höherer Anstrengungen. In der Informationsgesellschaft, in der wir heute leben, stellen personenbezogene Daten ein sehr wertvolles Gut dar. Wollen wir dieses Gut beschützen, so müssen wir klar sagen: PatientInnen und deren Gesundheits- oder Krankendaten dürfen nicht zur Ware werden. Punkt. Aus. Das muss ein nicht verhandelbarer Grundsatz sein.

MedizinerInnen und ApothekerInnen müssen eindringlicher darauf hingewiesen werden, dass sie mit ihren PatientInnen ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis eingehen. Sie dürfen sich ihr Berufsgeheimnis nicht einfach für ein paar Hunderter abkaufen lassen. Das ist eigentlich schäbig. Und noch wichtiger, den PatientInnen – und damit uns allen – muss wieder einmal eindrücklich klar werden, dass Gesundheitsdaten nicht dasselbe sind wie Einkaufslisten auf der BILLA-Kundenkarte.

Schau-TV hat mich dazu interviewt, hier der gesamte Bericht:

http://schaumedia.at/mediathek/5329/schau-aktuell-20-august-2013

 

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