OPEN DATA – QUANDO?

Die digitalen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben unsere Gesellschaft revolutioniert. Viele gesellschaftlichen Prozesse und Beziehungen des 21. Jahrhundert spielen sich im digitalen Raum ab. Das fängt bei Kommunikation an, ist beim Lernen schon selbstverständlich, geht weiter über Information zu Konsum und Online-Shopping bis in unsere intimsten Bereiche wie die Partnersuche. Aber nicht nur unser privates und berufliches Leben wird mittlerweile vom Internet bestimmt. Auch für den öffentlichen Bereich sind ganz neue Chancen und Möglichkeiten entstanden.

In noch nie dagewesener Form besteht die Möglichkeit für alle BürgerInnen von den öffentlichen Informationen profitieren zu können. Transparenz und Partizipation sind damit in einem neuen Zeitalter angekommen. Wir sind heute mehr denn je in der Lage, die Rahmenbedingungen dafür schnell und effektiv zur Verfügung zu stellen. Kundenfreundlich eben.

Offenheit und Transparenz müssen dabei die Regel, nicht die Ausnahme, sein. Information darf nur dann zurückgehalten werden, wenn wirklich wichtige, schutzwürdige Interessen wie zum Beispiel bei personenbezogenen Daten dagegenstehen. Vorhandene Informationen der öffentlichen Verwaltung sollen also grundsätzlich allen BürgerInnen unbeschränkt und frei zugänglich sein.

Die Stadt Wien ist mit ihrer Open Government und Open Data Initiative Vorreiterin in Sachen digitaler Mitbestimmung und Transparenz. Die rot/grüne Stadtregierung hat mit ihrer Initiative Maßstäbe im deutschsprachigen Raum gesetzt und wurde dafür auch bereits mit internationalen Preisen ausgezeichnet.

Der Open Government Data-Katalog enthält umfangreiche Daten und Statistiken aus der Verwaltung und stellt sie in den verschiedensten Formaten zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung. Eine wichtige Sparte fehlt allerdings: die Datenbestände der Wiener Linien. Informationen über Fahrpläne, Haltestellen und ähnliches werden momentan nur über die Wiener Linien eigene App „qando“ zur Verfügung gestellt. Das erschwert die freie Nutzung der vorhandenen Daten.

Es ist das gemeinsame Ziel von Wiener Linien und Stadtpolitik, dass möglichst viele Menschen die Angebote der öffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch nehmen. Eine Freigabe der Daten in maschinenlesbarer Form kann zu diesem Ziel beitragen. Die Wiener Linien und die Bevölkerung würden von der offenen Nutzbarkeit profitieren. Zusätzliche Apps oder die Ergänzung von bereits bestehenden Anwendungen durch die Fahrplandaten der Wiener Linien würden neue Tools ermöglichen, die die Attraktivität der öffentlichen Verkehrsmittel weiter erhöhen. Durch innovative Entwicklungen werden auch Anreize für Wirtschaft und Arbeitsplätze gesetzt.

Die Wiener Linien würden auch keine finanziellen Einbußen haben. Die Informationen werden auf „qando“ ja jetzt schon kostenlos zur Verfügung gestellt. Nur sind sie eben für die Weiterverwendung gesperrt.

Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, beschreibt den Zugang zu Daten in ihrer Rede vom 26. März 2013 im Rahmen des “EIT Foundation Annual Innovation Forum” als „the new oil. Because it’s a fuel for innovation, powering and energising our economy. (…Open data is) a chance for citizens to benefit from amazing new products and services. ”

Und genau diese Chance gilt es zu ergreifen. Momentan setzt sich eine Petition für die Freigabe der Daten der Wiener Linien ein. 500 Unterschriften als Voraussetzung zur Behandlung im Wiener Petitionsausschuss wurden zwar bereits erreicht, aber jede weitere Unterschrift unterstreicht die Wichtigkeit des Anliegens. https://www.wien.gv.at/petition/online/

Es darf nicht bei einer bloßen Behandlung im Petitionsausschuss bleiben. Die Stadtregierung muss dieses Anliegen aufgreifen und selbst vorantreiben. Damit würde einer der letzten grauen Bereiche der Stadtverwaltung mit Licht durchflutet und gleichzeitig das Fundament für neue Entwicklungen geschaffen.

Share This:

Schreibe einen Kommentar