Generation Praktikum: Ein Leben im Teufelskreis!

Lange vorbei sind jene Zeiten, als man nach seiner Ausbildung in einer Firma zu arbeiten begann und dort sein ganzes Leben in sicherer Anstellung verbrachte. Die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise hat Veränderungen am Arbeitsmarkt, wie sie davor schon zu beobachten waren, rasant beschleunigt. Bedauerlicherweise gehören vorübergehende Arbeitslosigkeit, Billig- und Teilzeitjobs sowie unter- oder gar unbezahlte Praktika für viele junge ÖsterreicherInnen heute zur normalen Erwerbskarriere. Die Situation betrifft ArbeiterInnen genauso wie hervorragend ausgebildete AkademikerInnen.

Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich unzählige Leute zu nennen, die seit Jahren bereits ein Studium abgeschlossen haben, aber immer noch auf Suche nach einem fixen, unbefristeten Job sind, von dem man anständig leben kann. Mit schlecht bezahlten Praktika müssen sie sich über Wasser halten, oder sie arbeiten in ihren Studentenjobs weiter, weil sie nichts Vernünftiges finden.

Mehr und mehr junge Menschen ohne fixen, anständig bezahlten Job rücken in das Alter vor, in dem man den eigenen Haushalt aufbauen und Familie gründen will. Dafür brauchen diese Menschen adäquaten Wohnraum. Das Zimmer im Studentenheim oder der WG oder die 30qm Garconniere am Gürtel reicht dann nicht mehr. Doch ohne ordentlichen Job geht sich die Sache finanziell einfach nicht aus. Ein Teufelskreis.

Gelingt es manchen doch genug Einkommen zu erwirtschaften, und haben jene es geschafft eine adäquate Wohnung zu finden, um die Familiengründung zu wagen, so kommt das nächste große Thema: Wie vereinbaren sie Beruf und Familie? Zuerst kommt die Frage der partnerschaftlichen Karenzteilung. Dann folgt die Suche nach einem Krippenplatz, und wenn man keinen Platz findet, stellt sich die Frage nach einer alternativen Betreuungslösung. Im Mittelpunkt steht bei diesen Fragen immer einer: der Taschenrechner!

Diese Lebensrealitäten und täglichen Probleme vieler junger ÖsterreicherInnen müssen von der Politik erkannt und als Auftrag verstanden werden. Wir müssen Arbeit forcieren, von der man gut leben kann. Wir müssen jenen helfen, die sich ein Zuhause aufbauen wollen, aber nur schwer eine leistbare Wohnung finden können. Wir müssen jenen helfen, die eine Familie gründen wollen, sich aber nicht trauen, weil ihre Einkommenssituation zu unsicher ist. Und wir müssen jenen helfen, die sich noch immer zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen.

Die folgenden drei Maßnahmen sind zur Zeit die meiner Ansicht nach wichtigsten und dringendsten Herausforderungen, mit denen wir jungen Menschen bei ihren tagtäglichen Problemen helfen können:

  1. Die Erhöhung von Einstiegsgehältern. In jungen Jahren steht man vor der Aufgabe, sich ein Leben aufzubauen und benötigt Geld für Wohnung und Familie. Die notwendigen Ausgaben sind zu dieser Zeit hoch, doch das Einkommen gering. Gegen Ende des Erwerbslebens vor Pensionsantritt sind notwendige Ausgaben niedrig, doch das Einkommen hoch. Die Anhebung der Gehälter für Junge und dafür einen flacheren Anstieg im Laufe des Erwerbslebens würde den realen Anforderungen des Lebens jedenfalls mehr entsprechen als die jetzige Situation.
  2. Von jungen Menschen werden in einem Bewerbungsverfahren heute vor allem zwei Dinge erwartet: Eine sehr gute Ausbildung und praktische Erfahrung, aber nur die wenigsten können beides aufweisen. Die passende Lösung für dieses Problem war seitens der Arbeitgeber schnell gefunden. Als Einstiegsmöglichkeit in ein Unternehmen wird ein Praktikum angeboten, bei dem man die geforderte praktische Erfahrung erwerben kann. Erwerben deswegen, weil man dafür bezahlen muss, mit seiner Arbeitskraft nämlich. Man leistet die gleiche Arbeit wie Fixangestellte, aber erhält ein nur sehr geringes oder gar kein Gehalt. Das ist eine Form der modernen Ausbeutung, die abgeschafft werden muss.
  3. Die partnerschaftliche Erziehung ist Wunsch vieler junger Paare. Wegen unterschiedlicher Einkommenssituationen ist er aber nur schwer zu realisieren. Das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld war ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Eine weitere Maßnahme zur Unterstützung partnerschaftlicher Kinderbetreuung wäre die Umsetzung des bezahlten Papamonats für alle Väter.

Junge Erwachsene sind die Bausteine unserer Gesellschaft, die Zukunft unseres gemeinsamen Fortbestehens. Wir sollten sie fördern anstatt zu bremsen und ihnen Steine in den Weg zu legen.

 

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